Eine Info-Seite der Anwaltskanzlei Dramburg zum Thema Foto & Recht

FAQ für Fotografierte Personen

Wie kann sich das Model vor ungewollter Weiterverbreitung schützen?
Schließen Model und Fotograf vor dem Shooting einen Vertrag über die Erstellung, Art der Nutzung und Verwendung der geplanten Fotografien, geschieht dies meist durch eine Model Release. Inhalt dieses Vertrages sollte unter anderem der Name und die Adresse der Vertragspartner, die Art der geplanten Fotografie (beispielsweise Unterwäsche-/ Portraitsaufnahmen), das Honorar, die Form des Nutzungsrechts der Fotografien und der Umfang des Bearbeitungsrechts mit Hilfe von Bildbearbeitungsprogrammen (Photoshop, Lightroom etc.) durch den Fotografen festgelegt werden. Wenn die Weiterverbreitung an Dritte vertraglich nicht vereinbart ist, ist diese nicht rechtens. Meistens ist dieser Passus jedoch bei Model Releases vorhanden.
Die Fotografie wurde bereits gemacht. Wie kann man als Model die Zustimmung zu einer Fotografie zurückziehen, so dass sie nicht mehr verbreitet wird?
Eine Zustimmung zur Anfertigung von Fotografien durch das Model kann folgendermaßen zurückgezogen werden: Die Anfechtung Gemäß §§ 142 ff. BGB ist es möglich, sich von einer Willenserklärung durch Anfechtung zu lösen. Die erfolgreiche Anfechtung sorgt dafür, dass der Vertrag dann von Anfang an (ex-tunc) nichtig ist. D.h., dass auch schon getätigte Honorarzahlungen zurückgezahlt werden müssen, da kein Rechtsgrund mehr vorliegt. Für die Anfechtung wir benötigt: 1. Ein Anfechtungsgrund Ein Anfechtungsgrund liegt vor, wenn die Zustimmung des Model durch einen Irrtum (§§ 119,120 BGB), durch eine arglistige Täuschung oder widerrechtliche Drohung (§ 123 BGB) hervorgerufen wurde. 2. Eine Anfechtungserklärung Liegt ein Anfechtungsgrund vor, muss das Model die Anfechtung gegenüber der anderen Vertragspartei eindeutig und inhaltlich klar erklären. 3. Eine Anfechtungsfrist Sie beginnt mit dem Zeitpunkt, an dem der Irrtum/ die Täuschung erkannt wurde. Widerruf Im Gegensatz zur Anfechtung muss der Widerruf von der anderen Seite akzeptiert werden oder es muss ein wichtiger Grund vorliegen. Ein wichtiger Grund liegt vor, wenn sich die Persönlichkeit der abgebildeten Person vom Zeitpunkt der Aufnahme der Bilder bis zu deren Verwendung so grundlegend gewandelt hat, dass die Person durch die Veröffentlichung in ihrem Persönlichkeitsrecht verletzt wäre. Beispiel: Ausstieg aus Sekte etc. Ein Widerruf aufgrund eines wichtigen Grundes liegt jedoch selten vor.
Darf man ohne Einwilligung fotografiert/gefilmt werden, auch wenn es zu keiner Veröffentlichung kommt?
Unter Umständen schon. Wenn es beispielsweise im öffentlichen Interesse ist, dass die Presse zum Zweck der Berichterstattung eine bestimmte Person fotografiert, kann die Herstellung auch ohne Einverständnis rechtmäßig sein. Es muss aber immer unter Gesamtwürdigung der Umstände entschieden und zwischen dem Persönlichkeitsrecht des Betroffenen und der Pressefreiheit des Fotografen abgewogen werden. Etwas anderes ergibt sich, wenn jemand den höchstpersönlichen Lebensbereich einer Person durch die Aufnahmen verletzt (§ 201 a StGB). Fotografiert jemand beispielsweise eine Person in ihrer Wohnung, kann dies sogar mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren führen.