Eine Info-Seite der Anwaltskanzlei Dramburg zum Thema Foto & Recht

FAQ Fotografen

Was muss man bei einer Produktfotografie beachten (z.B. Fotos eines Designersofas etc.)?
Grundsätzlich gilt der Leitsatz: “Kein Recht am Bild der eigenen Sache”. Das heißt, dass auch derjenige, der nicht Eigentümer der Sache ist, Fotos von der Sache anfertigen kann. Allerdings muss dabei klar die Notwendigkeit zur Einwilligung des Markenrechtsinhabers (Rechteinhaber einer bestimmten Marke, z.B. Logo, Zeichen) und die des Geschmacksmusterrechtsinhabers (Rechteinhaber eines bestimmten Designs) unterschieden werden. Diese Rechteinhaber müssen also grundsätzlich in die Ablichtung und Verbreitung der Fotos einwilligen. Die Einwilligung kann sowohl mündlich als auch schriftlich geschehen. Aufgrund der Beweisbarkeit sollte jedoch eine schriftliche Einwilligung in Form eines Propertyrelease eingeholt werden.
Wenn bereits eine Genehmigung für ein Foto eines Models/Gebäudes/Produkts/Passanten eingeholt wurde, dürfen dann die Bilder unbegrenzt verwendet werden? Ich möchte beispielsweise eine Fotografie für ein Buchcover nutzen. Kann ich es zeitlich unbegrenzt und auch in anderen Medien nutzen?
Dies ist wiederum abhängig von dem Inhalt des vereinbarten Vertrags. Wenn sich die Nutzungsrechte auf einen bestimmten Zeitraum, für einen bestimmten Zweck und ein bestimmtes Medium begrenzen, muss die erneute Einwilligung des Rechteinhabers eingeholt werden.
Weiterverkauf von Fotografien: Kann man Fotos ohne Einwilligung des Models an Dritte weiterverkaufen?
Nein. Wenn die Weitergabe der Fotos an Dritte nicht ausdrücklich im Vertrag zwischen Model und Fotograf geregelt wurde, ist das nicht möglich.
Ist es erlaubt (Haus-) Tiere Anderer ohne Erlaubnis zu fotografieren?
Ja. Tiere werden gem. § 90a BGB rechtlich wie Sachen behandelt. Sie haben kein Persönlichkeitsrecht wie Menschen, das vor willkürlichem Fotografieren schützt. Sowohl bei Tieren als auch bei Sachen (wie z.B. Autos etc.) Anderer bedarf es also keiner Einwilligung des Eigentümers. Dies gilt jedoch nur, so lange das Persönlichkeitsrecht des Eigentümers gewahrt bleibt und die Bilder nicht durch unbefugtes Betreten des Grundstücks entstanden sind.
Darf der Fotograf Fotografien, die er im Auftrag des Kunden erstellt und bereits an ihn verkauft hat, als Eigenwerbung in verschiedenen Medien (Eigene Homepage, Flyer etc. ) verwenden?
Die Art der Nutzung kommt auf die im Vertrag vereinbarten Nutzungsrechte an. Sind auf den Fotografien Personen, Gebäude, Produkte etc. abgebildet, muss im jeden Fall noch zusätzlich die Genehmigung (= das nachträgliche Einverständnis) der abgebildeten Personen/ Eigentümer eingeholt werden, wenn die Einwilligung nicht schon vorher, in Form einer entsprechenden Model Release, beziehungsweise Property Release, abgegeben worden ist.
Ist es möglich, Bewerbungsfotos/Portraitsfotos einer Person innerhalb eines privaten Gebäudes (beispielsweise in der Lobby eines Hotels) ohne Einwilligung des Gebäudeeigentümers zu machen?
Nein. In jedem Fall ist die Einwilligung des Gebäudeeigentümers einzuholen.
Was muss ich beachten, wenn ich Minderjährige fotografieren möchte?
Wichtig ist, dass vor dem geplanten Fotoshooting alle Erziehungsberechtigten mit den Fotoaufnahmen einverstanden sind. Es genügt also nicht, wenn nur ein Erziehungsberechtigter seine Zustimmung erteilt. Wenn der Minderjährige über 14 Jahre alt ist, muss er zusätzlich einwilligen. Auch das kann in Form eines Model Releases geschehen.
Ist es erlaubt, ein Foto ohne Einwilligung der abgebildeten Person zu veröffentlichen, wenn ich diese unkenntlich mache? Falls ja, was sind die Anforderungen bezüglich des Unkenntlichmachens? Reicht es aus, wenn ich das Gesicht „verpixele“?
Gemäß § 22 KUG dürfen Personenbildnisse nur mit Einwilligung der abgebildeten Person verbreitet werden. Ist sie nicht erkennbar, darf die Fotografie auch ohne Einwilligung des Betroffenen veröffentlicht und verbreitet werden. Inwieweit die Person auf einer Fotografie nicht mehr erkennbar ist, ist danach zu beurteilen, ob es ihrem eigenen Bekanntenkreis möglich wäre, die dargestellte Person auf der Fotografie zu identifizieren. Ein bloßes „Verpixeln“ der Gesichtszüge oder die Verwendung eines „Augenbalkens“ reichen in vielen Fällen dabei nicht aus. Denn eine Person kann auch aufgrund von Tätowierungen oder aufgrund anderer Merkmale von ihrem Bekanntenkreis identifiziert werden. Beispielsweise kann ein Reiter, dessen Gesicht „verpixelt“ dargestellt wird, immer noch daran erkannt werden, dass er auf seinem in Reiterkreisen bekannten Pferd in seiner Vereinskleidung sitzt.
Darf ich meine Aufträge als Referenz nutzen?
Das kommt immer darauf an, was vertraglich vereinbart wurde. Ist die Vergabe von ausschließlichen Nutzungsrechten Vertragsbestandteil geworden, ist allein der Auftraggeber zur Verwendung und Unterlizenzierung berechtigt. Wurde keine Vereinbarung hinsichtlich der Nutzungsrechte getroffen, muss der Parteiwille durch Auslegung ermittelt werden. Meist wird von der Vergabe einfacher Nutzungsrechte ausgegangen. In diesem Fall ist auch der Urheber berechtigt, seine Aufträge als Referenz zu nutzen. Allerdings dürfen dabei nicht die Rechte Dritter übergangen werden. Dies könnten beispielsweise die Persönlichkeitsrechte der Models, Eigentumsrechte oder Markenrechte Dritter sein.
Muss man die Einwilligung des Künstlers einholen, wenn man ein Kunstwerk ablichten möchte?
Für Kunstwerke gilt: 70 Jahre nachdem der Urheber verstorben ist, ist das Kunstwerk urheberrechtlich nicht mehr geschützt. Achtung: Das Urheberrecht kann auch vererbt werden. Das Urheberrecht hat also nicht zwingend der (verstorbene) Künstler. Es ist also ratsam im Zweifelsfall eine Einwilligung einzuholen. Ausnahme: Wenn das Kunstwerk jedoch dauerhaft an einem öffentlichen Ort aufgestellt wird oder das Kunstwerk nicht im Fokus der Fotografie selbst steht, ist eine Einwilligung nicht notwendig.
Wie ist das mit Passanten auf der Straße/Menschenmassen? Ab wie viel Personen braucht man keine Einwilligung? Reicht eine mündliche Einwilligung aus?
Eine mündliche Einwilligung reicht aus, allerdings ist eine schriftliche Einwilligung aufgrund der Beweisbarkeit empfehlenswerter. Ob eine Einwilligung der abgebildeten Personen notwendig ist oder nicht, richtet sich nicht zwingend nach der Anzahl der abgebildeten Personen. Eine Einwilligung ist im Sinne des §23 KunstUrhG nicht notwendig: Wenn die Aufnahme Personen der Zeitgeschichte, bzw Bildnisse der Zeitgeschichte im Allgemeinen zeigt. Wenn die abgebildete Person nur “Beiwerk” in der Fotografie ist. “Beiwerk” ist eine Person dann, wenn sie nicht wesentlicher Bestandteil der Aussage der Fotografie ist. Hier muss sich also die Frage gestellt werden, ob die Wirkung der Fotografie eine andere wäre, wenn die abgebildete Person nicht auf dem Bild zu sehen ist. Grundsätzlich gilt also: Je weniger Personen abgebildet sind, desto mehr gewinnt die jeweils abgebildeten Person an Bedeutung für die Fotografie, ist also mehr als nur “Beiwerk”. Bei Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen. Allerdings ist auch hier notwendig, dass das Persönlichkeitsrecht des Einzelnen gewahrt bleibt. Die Person/Personen müssen im Kontext dieser Veranstaltungen dargestellt werden. Nah- aufnahmen von einzelnen Personen, die keine besondere Rolle für die Veranstaltung spielen, sind ohne Einwilligung nicht rechtens. Bei Aufnahmen, dessen Verbreitung oder Schaustellung einem höheren Interesse der Kunst dient. In diesen Fällen bedarf es keine Einwilligung. Da diese Fälle schwer zu bestimmen sind, ist es ratsam sich in der Praxis nicht auf diesen Punkt in der Norm zu berufen.
Was ist mit privaten oder öffentlichen Gebäuden/Grundstücken? Ist es dort auch notwendig eine Einwilligung einzuholen?
Sowohl bei privaten Gebäuden als auch bei privaten Grundstücken bedarf es durch die in § 59 UrhG enthaltenen Panoramafreiheit keiner Einwilligung, wenn das Gebäude/Grundstück von einer öffentlich zugänglichen Stelle aus fotografiert wird. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die Persönlichkeitsrechte des Eigentümers nicht verletzt werden. Verletzt werden die Persönlichkeitsrechte, sobald sich durch das Foto eine Verbindung zum Privatleben des Eigentümers herstellen lässt und in dieses deshalb eingegriffen wird. Dass das Gebäude/Grundstück nur von einer öffentlich zugänglichen Stelle aus fotografiert werden darf, ist auf das grundrechtlich geschützte Recht der Privatsphäre zurück zu führen. Deshalb ist es nur zulässig, die Außenansicht des Gebäudes zu fotografieren. Nicht durch die Panoramafreiheit geschützt sind somit Fotos, die den Innenraum von Gebäuden zeigen. Auch wenn sie von einer öffentlich zugänglichen Stelle aus fotografiert wurden (z.B. mit Teleobjektiv, etc.). Ebenfalls sind Luftaufnahmen nicht zulässig. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn es um spezielle Urheberrechte geht: So ist es beispielsweise nicht zulässig, ohne die Zustimmung des Unternehmens (hier: „SETE – illuminations Pierre Bideau“) den Eiffelturm in Paris bei Nacht abzulichten und zu veröffentlichen, da es das Unternehmen das Urheberrecht an der Beleuchtung des Gebäudes hat. Dies ist erstaunlich, da der Eiffelturm fast von überall in der Stadt zu sehen ist. Aber es handelt sich bei der Beleuchtung um ein (urheberrechtlich geschütztes) Kunstwerk. Einer Einwilligung bedarf es in jedem Fall, wenn das Gebäude/Grundstück betreten werden muss um das Objekt zu fotografieren. Bei öffentlichen Gebäuden: Wie die BGH Entscheidung vom 01.03.2013 über das Fotografieren und Verwerten der Preußischen Gärten und Parkanlagen zeigt, ist es nur ratsam, bei dem jeweiligen Träger vorsorglich eine Einwilligung zur kommerziellen Nutzung und Verwertung einzuholen. In dieser Entscheidung wurde einer öffentlichen Stiftung für Preußische Gärten und Parkanlagen, das gleiche Recht wie das eines Privateigentümers eingeräumt. Das Fotografieren von Parks, Schlösser, etc. dieser Stiftung bedarf es nun einer Einwilligung, obgleich diese ohne Absperrung öffentlich zugänglich sind. (Wenn die Satzung des jeweiligen öffentlichen Trägers keine Duldungspflicht enthält, hat dieser ebenfalls das Recht- wie ein Privateigentümer- das Fotografieren des Grundstücks/ des Gebäudes zu verbieten.)